MÖRSER
Von der Reibeplatte zur Hohlform

·

·

·

alt text

60.000 Jahre später: Was ist anders in Lascaux im Vergleich zu Blombos?

In der frühen Phase der Pigmentherstellung – wie in der Blombos-Höhle vor 100.000 Jahren – wurden weitgehend unbearbeitete Steinplatten und handliche Schlagsteine als Ad-hoc-Werkzeuge genutzt. Vor ca 35.000 bis 40.000 Jahren entwickelt sich die flache Reibeplatte zur permanenten Hohlform, der klassische rotations-symmetrische Mörser als konkave Halbschale findet seine Form. Der Mörser diente nun gleichzeitig als Mahl- und Auffangbehälter – und wurde zu einem transportablen Instrument. Die Herstellung von Farbpigmenten war weiterhin das Ziel. Der Mörser das Werkzeug dazu, präzise, klein, leicht, mobil.

Lascaux zeigt erstmals die Urform des Mörsers, hochspezialisiert im Einsatz, und bereits am Ziel . Fünf tragbare Mahlsteine und drei Mörser, etwa handtellergroß, wurden in Lascaux auf dem Höhlenboden (ca. 17.000 v. Chr. / Jüngere Altsteinzeit) gefunden – mobile technische Prototypen, die bereits fest in der kulturellen Praxis etabliert waren.

Die Künstler von Lascaux nutzten eine ganze Palette aus Mineralien, die sie durch thermische und mechanische Prozesse gezielt veränderten, um unterschiedliche Farbtöne bereitzustellen: Hämatit (ein extrem hartes Mineral) für Rottöne, Manganoxide für schwarze Farben, Goethit, pulverisiert für Gelbtöne oder nachträglich erhitzt und gebrannt zu rotem Ocker, Mischungen aus Eisen- und Manganoxiden (Umbra) für Brauntöne.

Analysen zeigen, dass diese Pigmente oft mit Füllstoffen wie Feldspat, Biotit oder Talk gemischt wurden, um die Haftung an den feuchten Höhlenwänden zu optimieren und Pigmente einzusparen. Moderne mikroskopische Partikelmessungen belegen eine hochgradig standardisierte Korngröße von 5 bis 20 Mikrometern. Diese Feinheit ist kein Zufall, sondern ein früher Beweis für ein tiefes Verständnis von Materialwissenschaft, Erfahrungswissen und die technische Fähigkeit, definierte Ergebnisse standardisiert zu reproduzieren.

Der Mörser in Lascaux war kein primitives Schlagwerkzeug, er war ein Präzisionsinstrument. Die größte physikalische Herausforderung war dabei das Hämatit (Eisenglanz) mit einer Mohs-Härte von 5,5 bis 6,5. Um eine Korngröße im Mikrometerbereich zu erreichen, ist eine enorme mechanische Ausdauer und die exakte Zentrierung der Kraft in einer Hohlform notwendig.

Später in der Jüngeren Altsteinzeit ab ca.12.500 in der Kultur der Natufien in der Levante , vollzog sich mit der Sesshaftwerdung des Menschen ein weiterer Wandel: Der Mörser entwickelte sich vom Instrument der Pigmentherstellung zum Werkzeug für die Nahrungsmittelversorgung. Die Mörser wurden größer und voluminöser, um wildes – später gezüchtetes – Getreide zu verarbeiten. Es gibt Funde von stationären, direkt in den Felsen gearbeiteten Mörser, in denen Getreide gemahlen und wohl auch fermentiert wurde, mobile schwere Geräte, deren Hohlwände immer höher gezogen wurden, und weiterhin kleine Instrumente, die nach wie vor der Pigmentherstellung dienten. Die generelle Form als konkave Halbschale mit zugehörigem passendem Stößel, dessen Kopf in eine konvexe Kugelform ausläuft, war nun unabhängig von der Größe oder dem Zweck gefunden.

In den kommenden Jahrtausenden änderte sich die grundlegende Form nicht mehr. Sie war bereits am Ziel.



Quellen:


Buchcover

Aujoulat, Norbert: Lascaux. Le geste, l’espace et le temps.

Paris: Éditions du Seuil, 2013. ISBN 9782021082500

Verlag* | Antiquariat* | ZVAB* | Medimops* | AbeBooks* | Eurobuch* | Amazon* | KVK (Leihen)



Rietschel, Gerhard et al.: Lascaux: Höhle der Eiszeit.

Mainz am Rhein: Verlag Philipp von Zabern, 1982. ISBN 978-3805305938

Erschienen zur großen Ausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim. Dort auch die Aufzählung der 3 Mörser und 5 Mahlplatten

Verlag* | Fachhandel* | Genialocal* | ZVAB* | Medimops* | AbeBooks* | Museumshop* | Amazon* | KVK (Leihen)


Credits: Image by Stefan Schweihofer from Pixabay

Entdecke mehr von NOXXA Studio

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen